Das Projekt Car2x II

Das Projekt Car2x II adressiert Situationen in denen sich ein Fußgänger in gefährlicher Nähe zu einem fahrenden Auto bewegt. In der Technikdemonstration wird ein Fußgängerüberweg so ausgerüstet, dass ein Fußgänger auf diesem Überweg bzw. in dessen Umfeld automatisch erkannt und im Fahrzeug mit verschiedenen Warnstufen signalisiert wird.

Der Fußgängerüberweg sowie das nähere Umfeld werden von einer Kamera überwacht, die den Passanten aufgrund dessen Silhouette automatisch erkennt. Des Weiteren wird über ein satellitengestütztes Positionsbestimmungssystem für Fußgänger („TrackSat“) die genaue Position des Fußgängers ermittelt. Beide Systeme liefern Informationen an die sogenannte Road Side Unit, die diese aufbereitet und der OnBoard-Unit im Fahrzeug meldet. Die Warnungen werden dem Fahrer über diverse haptische bzw. optische Aktoren mitgeteilt. Diese warnen den Fahrer abhängig von der Gefahrenstufe mit unterschiedlicher Intensität. Ein automatischer Eingriff in Bremse oder Lenkung des Fahrzeugs erfolgt nicht.

Kommunikationsinfrastruktur (carhs.communication gmbh, FH Aschaffenburg)
carhs.communication leitete das Verbundprojekt und steuerte seine Entwicklungsumgebung viilab für Fahrzeugkommunikation bei. Darauf basierend wurde eine Road Side Unit (RSU) auf Infrastrukturseite und eine On Board-Unit (OBU) für das Fahrzeug aufgebaut. In Kooperation mit der FH Aschaffenburg entwickelte carhs die Fußgängererkennung per Kamera und eine Schnittstelle zu einer Lichtsignalanlage. Beide wurden an die RSU angebunden sowie ein Kommunikationsverfahren zu dem von Siemens Restraint Systems entwickelten Fußgängerortungssystem TrackSat definiert. carhs integrierte die OBU in das Testfahrzeug und implementierte basierend auf der viilab-Plattform die Ansteuerung der optischen und haptischen Informations- und Warnsysteme.

Anbindung zentrale Rechnereinheit an Display (MAGNA Electronics Europe GmbH)
Inhalt der Aktivitäten war die Anbindung der zentralen Rechnereinheit an das Display des Navigationssystems. Hierbei wurde das Video-Signal über den LVDS Eingang des Navigationssystems eingekoppelt. Aus Sicherheitsgründen ist die Bildwiedergabe für den TV-Eingang während der Fahrt im Alltagsgebrauch nicht möglich. Für den vorliegenden Anwendungsfall wird diese Abschaltung außer Kraft gesetzt, um dem Bediener auch während der Fahrt die notwendigen Informationen auf dem Display darstellen zu können.

TrackSat (Tracking Satchel) (Siemens Restraint Systems GmbH)
Der TrackSat ist das Basiselement zur Positionserkennung eines Fußgängers für Car2x II Systeme. Ein autonomes Ortungssystem ist als Prototyp in einen Schulranzen integriert und gibt hochgenaue Positionsinformationen an die Entscheidungseinheit im Fahrzeug weiter. Die Basisinformation über die aktuelle Position wird über ein differentielles GPS System bezogen. Komplementäre Stützung des Systems erfolgt über eine optionale Trägheitssensorik. Die erzielbare Genauigkeit liegt im Bereich weniger Dezimeter. Die Positionsweitergabe erfolgt über WLAN an die vorliegende Entscheidungseinheit.

HUD (Siemens VDO)
Durch das Head-Up-Display (HUD) kann der Fahrer gewarnt werden, wenn er sich einer roten Ampel nähert. Dazu wird im Blickbereich in die Windschutzscheibe ein Ampelsymbol eingespiegelt. Für die neuen Warnfunktionen wurde die heute bereits in Serie eingesetzte Software entsprechend angepasst.

Elektromotorischer Retraktor (TAKATA-PETRI AG)
Bei dem elektromotorischen Gurtsystem handelt es sich um einen motorisch betriebenen Gurtstraffer. Dieser sorgt bereits jetzt in Serienfahrzeugen dafür, dass in unfallkritischen Situationen der Gurt straff gespannt wird, so dass der Gurt im Falle eines Unfalls optimalen Halt bietet und seine volle Schutzfunktion entfalten kann. Zusätzliche Komfortfunktionen wie angenehmeres Tragen des Gurts durch reduzierte Gurtrückzugskräfte sind im Fahrzeug abgebildet. In dem Erprobungsfahrzeug soll der Gurtstraffer den Fahrer durch leichtes Zupfen darauf hinweisen, dass er sich in einer Gefahrensituation befindet, so dass er seine Aufmerksamkeit steigert.

Aktives Lenkrad (TRW Automotive Safety Systems GmbH)
In Zusammenarbeit mit mehreren deutschen Fahrzeugherstellern hat TRW ein Frühwarnsystem im Lenkrad entwickelt, welches den Fahrer vor Fahrfehlern speziell bei nachlassender Konzentration warnt. Aus der Vielzahl von Untersuchungen mit akustischen, optischen und elektrischen Warnmöglichkeiten wählte TRW ein System aus, bei dem das Lenkrad zur Warnung des Insassen in Vibration versetzt wird. Ausgehend von den Frequenzen, wie sie beim Befahren der Bankette mit einem Reifen entstehen, wird durch entsprechende im Lenkrad eingebaute Schwingungsanreger das Lenkrad in ähnliche Frequenzen versetzt. Die Warnfunktion erfolgt diskret und im Millisekundenbereich. TRW gelang es, mit dieser Lösung die Fahrzeugsicherheit weiter zu erhöhen.

Innenspiegel mit Display (MAGNA Donnelly GmbH & Co. KG)
Der Innenspiegel des Fahrzeugs wurde mit Warnanzeigen, die sich hinter dem Spiegelglas befinden und nur bei Bedarf sichtbar werden, aufgerüstet. Dadurch können Warnhinweise auf Gefahren, die sich vor dem Fahrzeug ergeben, auch beim Blick in den Rückspiegel schnell vom Fahrer erfasst werden.